„Das darf man jetzt also wieder sagen in Deutschland…“

Ein Kommentar von Jürgen Schnake
Es fing ganz harmlos an: Ich wurde für die „Ice Bucket Challenge“ nominiert, an der ich dann auch mit viel Vergnügen teilnahm: http://bit.ly/IWBC-Schnake
 
Dieselbe Person nominierte gleichzeitig den amtierenden Bürgermeister Mindens, Michael Buhre. Da dieser nichts von sich hören oder sehen ließ, fragte die Bürgerin nach. Die Antwort kam prompt und besagte im Kern, dass er nicht daran teilnehmen würde, aber: „Jedem das seine…“
 
Juergen SchnakeMir fiel die Kinnlade runter. Um es kurz zu machen: „Jedem das Seine“ ist der in Stahl geschmiedete Spruch, den die Nazis im KZ Buchenwald am Tor nach Innen richteten, um den Insassen klar zu machen, dass ihr Schicksal genau das sei, was sie eben ‚verdient‘ hätten. 
 
Ich war selbst dort und muss sagen: Dieser Ort kurz hinter Weimar (einer der vielleicht schönsten Städte Deutschlands, die aber halt lieber mit Goethe und Schiller für sich wirbt) ist einer der entsetzlichsten, die ich je erlebt habe. Es gibt gute Grunde für Sätze wie „Das darf sich nie wiederholen!“ oder eben „Das darf nie in Vergessenheit geraten!“.
 
Scheinbar ist aber genau das längst passiert. Meiner unter anderem auf Facebook Luft gemachten Empörung kam fast nur Unverständnis entgegen. Aber nicht von irgendwem; der Vorsitzende der Jusos Minden-Lübbecke sah mal grad gar kein Problem. Selbst kämpft er zwar angeblich (genau wie Buhre selbst) mit Vehemenz gegen Rechts, beschimpft Wähler in Sachsen schon mal als „zu dumm und zu faul“ und macht sich gegen das Vergessen ‚unserer‘ KZs im Wiehengebirge stark – aber scheinbar fällt gleich mal ein Auge aus, betrifft es einen Genossen.
(siehe Richtigstellung unter dem Text)
 
Ebenso andere Mindener, die sonst bei jeder moralischen Debatte schnell dabei sind, das höchste Podest zu erklimmen. Plötzlich hat man von nichts gewusst (!; „kannte ich gar nicht“) und ohnehin solle ich hier keinen Skandal basteln wollen.
 
Der Mindener Geschichtsverein hat auf meine Anfrage noch nicht reagiert. Allerdings wird der auch von einem SPD-Ratsmitglied geführt – Krähe, Auge, hacken…
 
Auch die jüdische Gemeinde Minden ist völlig ruhig geblieben. Bin gespannt, ob das so bleibt.
 
„Versteht mich nicht falsch, aber man wird ja noch mal sagen dürfen…“ scheint auf breiter Front langsam wieder ein anerkannter Satzbeginn zu werden – vielleicht ist er es sogar schon. Ein weiteres Mal stinkt der Fisch ja vom Kopf her…

Richtigstellung nach dem Pressekodes Ziffer 3

Bei der Wiedergabe des Facebookdialoges ist es offenbar, durch den Autor,  zu einer falschen Verbindung von Amt und Person gekommen. Der nachfolgend zitierte Facebook-Dialog würde nicht mit dem Juso-Unterbezirksvorsitzenden Micha Heitkamp geführt, sondern mit einer Person den der Kommentator für den Vorsitzenden der Jusos Minden gehalten hat Deshalb folgen wir gern der Bitte um Richtigstellung mit der Veröffenlichung der nachfolgenden E-Mail im Wortlaut:

Sehr geehrtes Redaktionsteam der Mindener Rundschau,in einem Kommentar vom 7. September zitieren Sie mich:

„Scheinbar ist aber genau das längst passiert. Meiner unter anderem auf
Facebook Luft gemachten Empörung kam fast nur Unverständnis entgegen.
Aber nicht von irgendwem; der Vorsitzende der Jusos Minden-Lübbecke sah
mal grad gar kein Problem. Selbst kämpft er zwar angeblich (genau wie
Buhre selbst) mit Vehemenz gegen Rechts, beschimpft Wähler in Sachsen
schon mal als “zu dumm und zu faul” und macht sich gegen das Vergessen
‘unserer’ KZs im Wiehengebirge stark – aber scheinbar fällt gleich mal ein
Auge aus, betrifft es einen Genossen.“

 

Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt zu dem Thema des Kommentars öffentlich
geäußert. Und ich habe niemals WählerInnen in Sachsen als dumm und zu faul
bezeichnet. Außerdem zählt weder der Autor Herr Schnake noch sonst ein
Mitglied Ihres Redaktionsteams zu meinen Facebookfreunden.

 

Es ist also offensichtlich, dass Sie mich mit Worten zitieren, die ich
nicht mal ansatzweise von mir gegeben habe. Ich bitte Sie daher darum, die
Passage aus dem Onlinetext zu streichen und eine Richtigstellung zu
veröffentlichen, wie sie der Pressekodex unter Ziffer 3 vorsieht.

Mit freundlichen Grüßen,

Micha Heitkamp

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