Kommentar „The Walking Dead – Minden Edition“

Es gibt folgenden schönen Sinnspruch: „Man kann viele Menschen kurze Zeit täuschen, man kann einige Menschen lange Zeit täuschen – aber man kann nicht alle Menschen die ganze Zeit täuschen.“
Es ging bereits durch die Presse, dass sich gleich zwei Beigeordnete aus Krankheitsgründen nicht mehr in eine nächste Amtsperiode begeben möchten.
Juergen SchnakeEinem von beiden nehme ich das ab. Dem anderen nicht. – Dieser andere hat über die Jahre so viele Menschen vor den Kopf gestoßen, dass ich mit dieser Haltung offensichtlich nicht ganz allein stehe. Als sein Anliegen im jüngsten Hauptausschuss Tagesordnungspunkt war, verweigerten im Grunde alle bis auf SPD-Fraktion eine Abstimmung zu dem Thema. Das war schon eine Überraschung.
Noch viel deutlicher fiel der CDU-Vorschlag aus, der Beigeordnete mögen doch erst einmal zum Amtsarzt gehen und sich seine Krankheit bescheinigen lassen. Eine reine „glaubhafte Versicherung“ dem Bürgermeister gegenüber (der praktisch zum selben Zeitpunkt aus „privaten Gründen“ den Dienst nicht wieder antritt) reichte wohl etlichen im Raum nicht. Größer konnte die Demütigung kaum sein: Wie von einem Sextaner, der keinen Bock auf den Sportunterricht hat, wird ein Attest verlangt.
An dieser Stelle griff der Bürgermeister dann in die Diskussion ein und betonte: Beim Beigeordneten-Posten gehe es in erster Linie um Vertrauen. Und damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.
Ganz klar ist nämlich: Bei sehr vielen Menschen in der Bevölkerung, aber eben auch in der Politik hat dieser Beigeordnete Vertrauen – oftmals das gesamte – verspielt! Genau darauf, auf dieses Kernelement seines Postens, kann er sich schon lange nicht mehr berufen – und das durch eigenes Verschulden.
Mit diesem Wissen wird er nun leben und – wenn sein Grund eben kein vorgeschobener ist – irgendwann in absehbarer Zeit auch sterben müssen.
Diese ganze traurige Episode hat aber auch einen positiven Kern: Hier ist einer der ganz seltenen Fälle, in denen in der Lokalpolitik so etwas wie Moral die Entscheidungsgröße zu sein scheint. Es kommen eben nicht immer alle mit allem für immer durch!
Für diesen Beigeordneten mag die Erkenntnis zu spät kommen – für andere ist sie vielleicht und hoffentlich ein Weckruf.
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