Kommentar „Willkommen auf der Arche B“

Ein Kommentar von Jürgen Schnake
Die viel beschworenen Werte des Abendlandes: Gott sprach zu Noah, er möge doch bitte zwei Exemplare jeder Art in seiner Arche retten. Eher selten wird darüber geredet, dass sämtliche anderen Tiere jeder einzelnen Spezies im Gegenzug dem Untergang geweiht war.
Juergen Schnake
Nach erstaunlich wenig Diskussion wurden nun vom Rat der Stadt Minden gleich zwei Beigeordnete auf eigenen Wunsch nicht wiedergewählt. Klingt doch eigentlich ganz nett. Greift man aber zu den Worten einiger Ratsmitglieder, ahnt man das große Preisschild an dieser Nettigkeit: „Goldener Handschlag“
Bürgermeister Buhre hatte tief in seine Trickkiste gegriffen:
Zeitdruck: In einem nicht-öffentlichen Teil wurden vorab die Ratsmitglieder über Details speziell zum Thema Geld informiert – um dann nur Minuten später abstimmen zu müssen. Praktisch jede Folge des originalen „Raumschiff Enterprise“ funktioniert mit diesem Kniff.
Fragwürdige Aussagen: Man hätte doch am Beispiel des neuen Mannes an der Spitze der SBM gesehen, dass man gute Leute nur mit einem Beigeordneten-Posten nach Minden locken könnte. Blöd bloß, dass Peter Wansing schon einmal auf Nachfrage genau danach bestätigt hatte, dass er den Posten auch als ‚einfacher‘ Angestellter  angetreten hätte.
Zeitgemäße Rhetorik: Mit dem Schriftzug „Nichts ist alternativlos“ versuchte Buhre, Stimmen mit Milde zu ködern. Um gleich darunter mit „Nichts ist folgenlos“ praktisch zu sagen: „Ätschbätsch, mein Vorschlag ist eben doch alternativlos und wenn’s schief geht, seid ihr schuld und nicht ich!“
Klassische Drohkulisse: Wenn es dumm laufen würde, könnte die ganze Sache vor Gericht landen. Und wie viel Erfolg diese Verwaltung dort hat, weiß die Stadt ja seit der Klinter-Krise.
Das alles war schon schwer zu ertragen. Vor allem zu sehen, wie leicht sich der Rat wieder einmal fast alles gefallen und eintrichtern lässt. Das Schlimmste kommt aber noch:
Mit dem Ausscheiden der beiden Beigeordneten werden die Stellen praktisch auch sofort wieder ausgeschrieben. Das ist ein bisschen blöd (um nicht zu sagen: grob fahrlässig) im Hinblick auf die nächste Verwaltung, die im Herbst durch die Wahl des neuen Bürgermeisters, man muss jetzt wohl sagen: zusammengewürfelt wird. Ein wenig Warten hätte geholfen, um der nächsten Person im BM-Sessel die Möglichkeit zu geben, zwei seiner engsten Mitarbeiter deutlich aktiver mit auszusuchen.
So aber kann es nun geschehen, dass die Chemie in der neuen Verwaltungsspitze von vornherein nicht und nie stimmt. Das scheint Herrn B. aber völlig egal zu sein; mein Versuch per Bürgerfrage darauf hinzuweisen wurde mitten im Satz abgewürgt. Nach ihm die Sintflut.
Alles in allem wirkt diese Verwaltung nun wie ein bekannter Wagen, in dem die Motorkontrollleuchte aufleuchtet – dies aber vom Fahrer willentlich ignoriert und schöngeredet wird.
Willkommen auf der Arche B – wir konnten zwei Exemplare retten. Dummerweise sind uns die Tauben ausgegangen und kein Land ist in Sicht.
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