Kinderzeltlager diesmal kein Sommermärchen

Foto: Privat

Minden. Das traditionelle Kinderzeltlager des DJK Dom Minden führte dieses Jahr 30 Kinder im Alter von neun bis dreizehn Jahren und deren 24 jugendliche und erwachsene Betreuer nach Altenilpe im Hochsauerland. Vom 24. Juli bis zum 01. August verbrachten sie dort erlebnisreiche Tage mit vielfältigem Programm und Nächte am Lagerfeuer oder beim Zelten in der Natur. Doch Nächte mit Temperaturen unter Null verrieten: ein Sommermärchen wurde es dieses Jahr nicht.

Bereits 1999 hatten die Jugendlichen, die dieses Zeltlager unter Leitung von Johannes Haese selbst organisieren, das Sauerland als Ziel ausgesucht. Die damaligen Wettererfahrungen konnten das diesjährige Zeltlager aber nicht davon abhalten, erneut ins Sauerland zu fahren, wofür sie mit konstantem Dauerregen belohnt wurden. Doch tapfer und geradezu stoisch setzten sich die Teilnehmer und Betreuer über die ungünstigen Wetterbedingungen hinweg und verlegten das Programm kurzerhand in die zugehörige Schützenhalle. Mithilfe von Improvisation, Spontaneität und Einfallsreichtum der Betreuer gestalteten sie dennoch abwechslungsreiche Tage unter dem Thema USA, das sich als roter Faden durch die einzelnen Tage zog. So wurden die Kinder mit Spielen und Workshops durch die Geschichte der USA anhand wichtiger Ereignisse wie der Boston Tea Party, dem Independence Day oder der Geschichte der Indianer, aber auch durch einige Staaten wie Texas, Alaska oder Kalifornien geführt. Zwar hatten weder Sarah Palin noch Obama in das Programm gefunden, aber die eigene Oscar-Verleihung als Programmhighlight durfte nicht fehlen. Zu den jährlichen Höhepunkten zählt auch die Nachtwanderung, die mit einer Gruselgeschichte aus der kreativen Feder der Betreuer bereichert wird, und die Kinder dieses Jahr durch die angrenzenden, furchteinflößend dunklen Wälder führte. Stolz erzählen sie nach ihrer Rückkehr am Lagerfeuer, dass sie natürlich keine Angst hatten, obwohl die begleitenden Gruppenbetreuer das anders in Erinnerung haben.

Gelegentlich war das Wetter sogar gnädig, so dass man die Morgen- oder Abendrunden, bei denen der Tag mit Liedern und dem Vater-Unser begonnen beziehungsweise beendet wird, auch draußen halten konnte. Wie schnell im Sauerland aber aus Gnade Ungnade und aus Sonnenuntergang Wolkenbruch werden kann, durfte das Zeltlager auch erfahren. Während die Kinder mit Spielen in der Schützenhalle vergnügt wurden, retteten einige Betreuer mit Spaten und Schaufel unter Einsatz ihrer letzten sauberen und trockenen Kleidung die Zelte durch Wassergräben vor einer Überflutung. Dankbarkeit der Kinder über trocken gebliebene Schlafsäcke und eine heiße Suppe war der Helden Lohn. Mit Gerüstplanken und Paletten machte man das schlammige Gelände wieder einigermaßen begehbar, doch die Gummistiefel erwiesen sich als treue Begleiter.

Ein treuer Begleiter ist auch die Fahne des Zeltlagers, die von Kindern und Leitern gemeinsam nachts am Lagerfeuer bewacht wird. Sie ist das Symbol der Zeltlagergemeinschaft, um sie versammeln sich alle am Ende der Abendrunde zum Abendgebet- und Segen und so muss sie besonders verteidigt werden gegen die Jugendgruppen aus Minden und der Umgebung von Altenilpe, die traditionell versuchen, die Fahne zu erobern. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit mit diesem Ort steigerte den Eifer der Jugendlichen, denn schließlich war es in Altenilpe vor zwölf Jahren, dass die Fahne zuletzt verloren ging und den damaligen Leitern damit eine große Schmach einbrachte. Für Leiter und Kinder ist das Erlebnis des Adrenalinkicks und des Triumphes bei einem Überfall aber unverzichtbar. Immerhin werden sie von den unterlegenen Angreifern auch reichlich belohnt, so dass sie noch den ganzen Folgetag von den wenigen, entscheidenden Sekunden eines Überfalls erzählen. Die Witterungslage erlaubte es dieses Mal, die zähen Angreifer mit einer Reise durch den schlammigen Boden zu belohnen.

Eine weitere Reise nahm auch der hohe geistliche Besuch auf sich. Weihbischof Matthias König aus Paderborn besuchte das Zeltlager am Samstagabend, um zusammen mit dem Mindener Pastor Ludger Jakob und uns den traditionellen Zeltlagergottesdienst zu feiern – ein Zeltlagergottesdienst mit einem Bischof, das war der spirituelle Höhepunkt des Zeltlagers und bisher einmalig, auch für den Weihbischof, der in Altenilpe auch zum ersten Mal in seinem Leben war.

Bei den Zeltlagern im Sommer geht man üblicherweise zur Abkühlung und Erfrischung – in der Regel blieb das für die meisten der einzige Körperkontakt mit Wasser – in ein Freibad in der Umgebung. An kühler Nässe mangelte es diesmal nicht – so nutzten nur die ganz Abgebrühten dieses Jahr den Außenbereich des Schwimmbades. Für den Rest war egal, was für den Kreislauf gut sein soll, denn dass es zur Abwechslung mal warm ist, muss man nutzen, immerhin waren die Möglichkeiten sportlicher Aktivität im DJK-Zeltlager 2011 wegen des ungnädigen Wetters beschränkt. Was nehmen die Teilnehmer und die Leiter aus Altenilpe mit? Dass man eine Woche lang ohne Fernseher und Unterhaltungselektronik und fern von zuhause gut zurecht kommen kann und dabei in einer tollen Gemeinschaft viele neue Erlebnisse sammelt. Dass Nächte im Zelt keine Nächte im eigenen Bett sind. Und dass man sich vom Wetter nicht die Stimmung verderben lassen sollte, denn nicht das Wetter, sondern die Menschen machen das Zeltlager aus.

Wohin geht es also nächstes Jahr? Nach dem das Zeltlager nun schon zum vierten Mal seinen Ort gewechselt hat, ist nur sicher: Nicht nochmal ins Sauerland. Und sicher ist: Interessenten sollten sich mal bei der DJK erkundigen.

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