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Bad Oeynhausen: Prothesen – Aufklären und Berührungsängste abbauen

Bad Oeynhausen(mr). Etwa 60.000 Menschen in Deutschland müssen jedes Jahr damit klarkommen, dass Ihnen ein Stück ihres Fußes, ihres Beines oder Armes abgenommen werden muss. Die allerhäufigste Ursache sind nicht etwa Unfälle, sondern Erkrankungen der Blutgefäße. „Ich erlebe es immer wieder“, erzählt Rolf Brakemeier, selbst seit sechs Jahren amputiert, „wenn ich in das Zimmer eines Patienten gehe, dessen Unterschenkel gerade abgenommen werden musste, dass die Menschen glauben, dass Leben sei damit zu Ende.“

Ein neues Leben beginnt

Selbsthilfegruppe für Amputierte OWL, so nennt sich der Verein, den Brakemeier kurz nach seiner eigenen Amputation gründete. „Wenn ich den Patienten dann meine Geschichte erzähle und berichte, was ich mit einer Beinprothese so alles machen kann, dann merken sie häufig, dass ein Leben ohne einen Unterschenkel oder Fuß sehr, sehr lebenswert sein kann.“ Nordic-Walking oder fast 3.000 Kilometer lange Ferien-Radtouren gehören zum Programm des 56-Jährigen Lemgoers. „Solche Leistungen muss nicht jeder vollbringen. Moderne Beinprothesen ermöglichen aber ein fast normales Leben.“

Tag der offenen Tür am 30. Juni 2012

Um die Möglichkeiten zu zeigen, was moderne Orthopädietechnik kann und welche Hilfsangebote es rund um das Thema Prothesen gibt, veranstaltet die Selbsthilfegruppe Beinamputierter OWL zusammen mit der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik einen Tag der offenen Tür. „Zum einen bieten wir eine kleine Hausmesse, mit allen führenden Herstellern von Prothesen“, erklärt Elmar Bitter, Betriebsleiter der Technischen Orthopädie. „Das richtet sich zunächst an Menschen mit einer Amputation. Gleichzeitig wollen wir aber allen anderen Menschen in der Region zeigen, was moderne Technik alles möglich macht.“ In der Werkstatt der Technischen Orthopädie werden Prothesen individuell und passgenau angefertigt. „Unsere Aufgabe ist es, aus einer Vielzahl unterschiedlicher Komponenten, aus künstlichen Fuß- und Kniegelenken usw. die richtige und individuell passende Lösung für den Patienten zu finden.“ Brakemeier ergänzt: „Eine Prothese, die nicht passt, wird später nicht genutzt, darum ist die Arbeit der Orthopädietechniker so wichtig.“

 

Köpermessungen, Fußabdrücke und Erlebnisberichte

Das Programm am Tag der offenen Tür in der Technischen Orthopädie in der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen ist reichhaltig und bietet für jeden etwas Passendes. Alle Besucher haben die Möglichkeit, mit Hilfe zweier Hochgeschwindigkeitskameras ihren Gang analysieren zu lassen, es gibt eine Körperstatikanalyse oder auch Fußdruckmessungen. Ein besonderes Highlight wird der Besuch von Roland Zahn sein. Zahn ist selber oberschenkelamputiert und macht zurzeit eine 2.000 Kilometer weite Wanderung durch Deutschland. Um 10:00 Uhr wird er zu Gast in der Auguste-Viktoria-Klinik sein. Der Tag der offenen Tür der Selbsthilfegruppe Beinamputierter OWL und der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik beginnt am kommenden Samstag um 10:00 Uhr und dauert bis 16:00 Uhr. Am Kokturkanal 2 in 32545 Bad Oeynhausen.

Bei Prothesen ist alles eine Sache der Erfahrung, des Könnens und des Wissens. Ralf Torunski, Werkstatleiter der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik bei der Feinjustierung eines künstlichen Kniegelenkes für die Prothese eine Oberschenkelamputierten. Foto: MKK
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