Dr. Alexandra Harrer vom Institut THUPID und Marcella Jaramillo aus Kolumbien mit dem I-Pad und der Augmented Reality Applikation in den kaiserlichen Gärten des Yuangmingyuan Park in Peking. Foto: Günther Pomaska
Peking/Minden(mr). Wie kann man Tempel und Paläste aus früheren Zeiten durch Digitalisierung in die Gegenwart zurückholen? Diese Frage haben sich vergangene Woche Forscher aus der ganzen Welt bei einem Internationalen Symposium in Peking (Volksrepublik China) gestellt. Auch Professor Dr. Günter Pomaska vom Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld hielt einen Fachvortrag.
Am 18. und 19. Oktober 2012 fand das 2. Internationale Symposium On Cultural Heritage Conservation and Digitization in der chinesischen Hauptstadt statt. Die 120 Teilnehmer möchten das Kulturerbe, zum Beispiel historische Bauten, digital rekonstruieren und erlebbar machen. Veranstalter war das Beijing Tsinghua Urban Planning and Design Institute (THUPDI) in Kooperation mit dem International Scientific Commitee for Documentation of Cultural Heritage (CIPA) und weiteren nationalen Organisationen. Professor Günter Pomaska, der in seinem Labor für visuelle und virtuelle Realität am Mindener Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen an virtuellen Architekturmodellen forscht, sprach in seinem Vortrag über neue Multimedia-Techniken der Web-Publikation von virtuellen Architekturmodellen.
Weitere Beiträge aus Europa befassten sich unter anderem mit dem Restaurierungsprozess der Akropolis in Athen, der Visualisierung von Filippo Juvarra’s 1705 Palace Project (Rom) und dem Beitrag digitaler Technologien zum Kulturgüterschutz. Die Hauptrede hielt der CIPA-Präsident Mario Santana von der Carleton Universität, Canada. In den weiteren Vorträgen wurde eine breite Thematik des Kulturgüterschutzes von der Kalligrafie über das Rapid Prototyping bis zu Anwendungen geografischer Informationssysteme diskutiert.Herausragende Bedeutung für das gastgebende Institut THUPID hatte die Freigabe der ersten Version der iPad Applikation der Augmented Reality Tour für den Yuanmingyuan Park in Peking. Die Paläste in den kaiserlichen Gärten wurden im zweiten Opiumkrieg 1860 von einer anglofranzösichen Armee niedergebrannt und geplündert. Wiederaufbauversuche scheiterten, 1900 wurde die Anlage komplett geschleift. Mit der virtuellen Rekonstruktion ist es nun möglich, die Paläste in die jetzige Umgebung visuell zu übertragen. Besucher des Parks können heute mit dem iPad die damaligen Bauten in der realen Umgebung betrachten. In Ergänzung der digitalen Medien ist die virtuelle Rekonstruktion auch als Buch erschienen, das den Teilnehmern der Konferenz überreicht wurde. „Ich war beeindruckt von den Arbeiten des mit modernster Informationstechnologie ausgestatteten Architekturinstituts“, so Pomaska. Den Tagungsunterlagen beigelegt war ein Video, das den Einsatz der verschiedenen Technologien bei der Rekonstruktion demonstriert. Neben modernsten Visualisierungswerkzeugen und digitaler Meßtechnik wurden auch unbemannte Luftfahrzeuge bei der Aufnahme eingesetzt.
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