Herford/Vlotho: Insolvente Meyra Ortopedia mit stabilen Geschäftverlauf

Herford / Vlotho(mr/y).  Die Sanierung der Meyra Ortopedia Gruppe macht Fortschritte. Am vergangenen Freitag, den 26. Juli 2013, fanden für verschiedene Gesellschaften der Unternehmensgruppe bis in den Abend hinein mehrere Gläubigerversammlungen und Gläubigerausschusssitzungen statt.

Der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Hans-Peter Burghardt, Herford, informierte u. a. über den erfolgreichen Verlauf der Suche nach Investoren. Bereits im Mai 2013 hatte Burghardt deutlich gemacht, dass das Unternehmen einen Partner benötige, um fortgeführt zu werden.

Verbindliche Verhandlungen mit zwei potentiellen Investoren

Die Suche nach geeigneten Investoren wurde in den vergangenen Monaten von der Mentor AG, Minden / Trier in enger Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter durchgeführt. Insgesamt hatten rund 60 Interessenten die wirtschaftlichen Eckdaten der Unternehmensgruppe geprüft, davon hatten acht potentielle Investoren ein konkretes Angebot für einen Einstieg in das Unternehmen abgegeben. Nach eingehender Analyse und Bewertung dieser Angebote, die sowohl im Hinblick auf den Kaufpreis sowie auf die Erhaltung möglichst vieler Arbeitsplätze in der Unternehmensgruppe erfolgte, empfahl der Insolvenzverwalter, die Verhandlungen über einen Einstieg in das Unternehmen mit zwei Interessenten fortzuführen. Die Gläubigerausschüsse folgten dieser Empfehlung. Burghardt wird daraufhin noch in dieser Woche verbindliche Verhandlungen auf Basis der Angebote beginnen. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, fasste Burghardt die Entwicklungen bei der Investorensuche zusammen, „es handelt sich hier um sehr ernstzunehmende Angebote.“ Zudem wurde Burghardt mandatiert, die Geschäfte der Unternehmensgruppe weiter fortzuführen.

Transfergesellschaft Voraussetzung für erfolgreiche Sanierung

Zentrale Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung ist zudem die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Der Insolvenzverwalter hatte die Belegschaft Ende Mai 2013 über die unvermeidbare Freistellung von 149 der insgesamt 413 Mitarbeiter informiert. Dieser Schritt war notwendig, um die Kapazitäten des Unternehmens enger an die Nachfrage anzupassen. Gleichzeitig hatte Burghardt deutlich gemacht, dass die Anpassung der Kapazitäten für jeden potentiellen Investor eine wichtige Voraussetzung sei, um das Unternehmen absehbar zurück in die Profitabilität zu führen. Meyra Ortopedia hatte im März 2013 einen Insolvenzantrag gestellt. Die Löhne und Gehälter für die Belegschaft wurden daraufhin in den Monaten März, April und Mai 2013 über das Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit finanziert. Seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Juni 2013 muss das Unternehmen die Löhne und Gehälter wieder aus eigener Kraft erwirtschaften. „Wir brauchen im August eine Einigung mit der Arbeitnehmerseite, um die Voraussetzungen für den notwendigen Einstieg eines Investors zu erfüllen. Beide Investoren, die ein konkretes Angebot abgegeben haben, haben sehr klare Vorstellungen zum wirtschaftlichen Potenzial des Unternehmens. Nur auf Basis einer Einigung mit der Arbeitnehmerseite hat Meyra eine Zukunft“, sagte Burghardt mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen. „Angesichts der bisherigen positiven Entwicklungen insbesondere im Prozess der Investorensuche bin ich allerdings zuversichtlich, dass eine Einigung zustande kommt.“

Geschäftsbetrieb weiterhin stabil, Umsätze aktuell über Plan

Burghardt äußerte sich auch positiv zum laufenden Geschäftsbetrieb. „Der Geschäftsbetrieb ist weiterhin stabil, die Umsätze liegen aktuell sogar über der Planung. Das ist auch ein positives Signal vom Markt und den Kunden des Unternehmens“, so Burghardt. Sowohl in der Phase der vorläufigen Insolvenz als auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Juni gelang es, den Auftragseingang auf Planniveau bzw. sogar darüber zu stabilisieren sowie die Bearbeitung der Aufträge mit der für die Marke Meyra typischen Qualität sicherzustellen. Auch die Beziehungen zu den Lieferanten sind intakt. „Kunden und Lieferanten halten dem Unternehmen die Treue, gleichzeitig tun die Mitarbeiter von Meyra alles, um diesem Vertrauen gerecht zu werden – gute Voraussetzungen also, um das Unternehmen zu erhalten“, fasste Burghardt zusammen.