Junge Unternehmen tragen Wunsch nach Individualität Rechnung

Kreis-Minden-Lübbecke(mr/kpb). Je mehr die Welt zusammenwächst, und nahezu alles in Massen produziert wird und jederzeit verfügbar ist, desto größer wird der Wunsch nach Individualität. Der Trend geht so weit, dass Menschen sich als eine Art Marke inszenieren, um sich von anderen abzugrenzen – vor allem über den Konsum individueller Güter wie Kleidung oder Services. Das bildet die Basis des Geschäftsmodell einiger Online-Unternehmen.

Als im Jahr 2011 Outfittery und Modomoto fast zeitgleich an den Start gingen, war der Begriff “Curated Shopping” noch relativ neu in der Start-Up-Szene. Auf beiden Plattformen können sich Männer individuell von Stylisten beraten lassen, ein Budget festlegen, und erhalten dann ein aus mehreren Teilen bestehendes Outfit nach Hause geschickt. Wem es nicht gefällt, der schickt es einfach wieder zurück. Meist findet zunächst eine telefonische Kontaktaufnahme statt, in der man seinen Stil und Charakter beschreibt. Das Konzept geht auf. So sammelten die beiden Geschäftsführerinnen von Outfittery erst 2015 20 Millionen US-Dollar frisches Kapital von mehreren Investoren.

Auch der Online-Marktplatz Dawanda hat sich Unikate auf die Fahne geschrieben und ist seit 2006 mit individuellen Produkten erfolgreich. Angeboten werden hier vor allem selbstgemachte Kleidung und Accessoires. Die Geschäftsführer Claudia Helming und Michael Pütz befanden sich zu Gründungszeiten in Moskau und entdeckten auf der Suche nach einem individuellen Weihnachtsgeschenk die amerikanische Verkaufsplattform etsy.com. Sie waren der Meinung, genau so etwas fehle in Deutschland und gründeten daraufhin Dawanda.

In Zeiten digitaler Reproduzierbarkeit ist auch Kunst nicht mehr zwangsläufig individuell. Die 2003 ins Leben gerufene Plattform lumas.de reagierte damals auf die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen, individuellen, aber doch erschwinglichen Fotografien. Echte Unikate waren und sind für die meisten Menschen schließlich schlicht zu hochpreisig. Der Kompromiss von LUMAS: Dort wird lediglich eine begrenzte Stückzahl ausgewählter Fotos etablierter Künstler und verschiedener Newcomer angeboten. Individualität und Preis halten sich also in Balance, und Kunst ist nicht mehr nur Sammlern mit einem großen finanziellen Budget vorbehalten.


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