Post-Streik: Deutsche Post AG soll Druck auf streikwillige Beschäftigte ausüben

Die Streiks bei der Deutschen Post AG in Nordrhein-Westfalen werden heute (Freitag) fortgesetzt. Nachdem am Dienstag und Mittwoch in sämtlichen Briefverteilzentren des Landes gestreikt wurde, hat die Gewerkschaft ver.di heute landesweit über 1.000 Brief- und Paketzustellerinnen und –zusteller zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. „Die Arbeitsniederlegungen führen zu empfindlichen Störungen und Ausfällen in allen Bereichen der Zustellung. Viele Briefe und Pakete werden ihre Empfänger nicht erreichen“, erklärte Uwe Speckenwirth, ver.di-Fachbereichsleiter Postdienste in NRW.

Zur Aussage der Post AG, die Auswirkungen der Streiks hielten sich „in Grenzen“ sagte Speckenwirth: „Die Deutsche Post AG kommt mir vor wie ein kleiner Junge, der nach einer schallenden Backpfeife trotzig erklärt ‚Hat aber gar nicht weh getan‘. Wir wissen, dass die Streiks volle Wirkung entfalten.“ Dies zeige sich auch an den Versuchen vieler Vorgesetzter auch in NRW, Druck auf streikwillige Beschäftigte ausüben. „Das sind keine Einzelfälle, hier wird nach meinen Beobachtungen systematisch vorgegangen“, so Speckenwirth. Die Verantwortung für die Versuche ihrer Führungskräfte, Arbeitnehmerrechte ein-zuschränken, trage die Unternehmensleitung.

Auslöser des Tarifkonfliktes war ein Vertragsbruch der Deutschen Post AG zu Beginn des Jahres. Entgegen der schriftlichen Vereinbarung gründete der Konzern zusätzliche Firmen, um die Tariflöhne auf breiter Front abzusenken. ver.di forderte daraufhin einen Vertrag zur Verkürzung der Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden. Dadurch sollen Zugeständnisse der Beschäftigten kompen-siert werden, denen sie vor dem Vertragsbruch zum Schutz vor der Gründung eben solcher Firmen zugestimmt hatten.

In den Tarifverhandlungen wolle die Post AG „ihre Beschäftigten austricksen“, kritisierte Speckenwirth. Der angebotene Kündigungsschutz bis 2018 sei wertlos, „weil die Post schon ab nächstes Jahr freie Hand für die Gründung von billigeren Konkurrenz-Unternehmen im eigenen Haus haben will“. Damit wäre der Kündigungsschutz hinfällig. „Die Konzernspitze will mit Macht ihre wahnsinnigen Renditeversprechen an die Aktionäre auf Kosten ihrer Beschäftigten durchboxen. Das wird nicht funktionieren“, sagte Speckenwirth.