Lokalhistorische Unterrichtsreihe im Herder-Gymnasium

Minden. Die eigene Stadt als Ausgangspunkt und Anschauungsmaterial für den Geschichtsunterricht  – das war die Idee, von der 2009 eine Zusammenarbeit zwischen dem Herder-Gymnasium und dem Kulturbüro der Stadt Minden ausging. Jetzt steht das Projekt „Minden und seiner Geschichte begegnen: Kaiserzeit!“. Am 11. Oktober wird das Unterrichtsangebot in das schulinterne Curriculum des Herder-Gymnasiums aufgenommen und die Kooperation fest geschrieben.

Alles begann mit der Examensarbeit des Herder-Lehrers Peter Kock. In seiner Abschlussarbeit hatte der ehemalige Museumspädagoge am Preußen-Museum eine Unterrichtseinheit für den Geschichtsunterricht entwickelt, die die Bausubstanz des Simeonsplatzes als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Gesellschaft in der preußisch-deutschen Kaiserzeit nutzte. Kock setzte auf eine selbständige Projektarbeit der Schülerinnen und Schüler und auf die Einbeziehung außerschulischer Lernorte wie Museen und des historischen Stadtbild Mindens.

Um das Ganze noch umfassender, anschaulicher und interessanter zu machen, wurde das Angebot im Kulturbüro der Stadt Minden erweitert. Die  Schüler und Schülerinnen beschäftigen sich nun in sieben Gruppen mit charakteristischen Entwicklungen der Epoche. Dazu gehören die Lebenswelt von Soldaten und Offizieren in der preußischen Festung, die Querelen zwischen Festungskommandanten und Bürgern, die Geschichte Mindener Industriebetriebe, Choleraepidemie und  Bau der Kanalisation, Militarismus, Kaiserkult und neue Wohnformen. Karten, Texte, Fotos und Grafiken – allesamt mit Minden-Bezug – , vor allem aber die  Bausubstanz der Stadt selbst wollen von den Jugendlichen  erforscht und erkundet werden.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Kulturbüro, Kommunalarchiv und Preußen-Museum bieten sich während der Projektphase als Experten und Expertinnen an. Und wer dann noch zusätzliche Informationen für seine Abschlusspräsentation benötigt, kann einen Handapparat in der Stadtbibliothek nutzen, der eigens für diesen Zweck zusammen gestellt wurde.

In den vergangenen beiden Schuljahren wurde das Angebot erprobt und verbessert. Es hat sich bewährt, wird demnächst auch von anderen Mindener Schulen ausprobiert und stößt sogar bei den Geschichtsdidaktikern der Universität Bielefeld auf Interesse: Die Wissenschaftler wollen die Mindener Quellensammlung als Beispiel für gute pädagogische Praxis auf einem universitätsinternen Server Lehrerinnen und Lehrern in OWL zugänglich machen.

Zunächst aber kommt es zu einer Vereinbarung, die dieses besondere Unterrichtsvorhaben fest in das schulinterne Curriculum des Herder-Gymnasiums eingliedert. Schulleiter Dr. Ernst-Dieter Köpper und Fachbereichsleiter Dr. Joachim Meynert unterzeichnen die entsprechende Kooperationsvereinbarung. Sie sichert langfristig und verlässlich ein Angebot zur historisch-kulturellen Bildung, das die Entwicklung wichtiger fachlicher Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern ermöglicht. „Die Lehrkräfte profitieren dabei vom kulturellen Knowhow der Experten im Kulturbüro und erhalten zeitgemäß aufbereitete Materialien, die helfen, Stadtgeschichte leicht in den Unterricht zu integrieren“, so Herder-LehrerPeter Kock. Mit der Kooperationsvereinbarung zwischen Schule und Kulturbüro können nun auch weitere auf den Lehrplan abgestimmte Unterrichtsreihen passgenau konzipiert werden.