RegioPort Weser: Neue Studien zu Potenzial und Wirtschaftlichkeit des Hafenprojekts vorgestellt

Bürgermeister Michael Buhre, Henrik Armbrecht und Joachim Schmidt (v.l.) stellten im Großen Rathaussaal neue Studien zu Potenzial und Wirtschaftlichkeit des Hafenprojekts RegioPort Weser vor.

Minden. Welches Potenzial hat der Containerverkehr am Standort des geplanten Containerhafens RegioPort Weser? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Studie, die das Gutachterbüro „PLANCO Consulting GmbH“ im Jahr 2008 erstellt hat. Jetzt wurde die Studie im Auftrag der „RegioPort Minden GmbH“ aktualisiert und der Öffentlichkeit vom Gutachter Henrik Armbrecht vorgestellt.

Bürgermeister Michael Buhre begrüßte die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Großen Rathaussaal und unterstrich die Bedeutung des Hafenprojekts: „Wir wollen mit dem Bau des RegioPort Weser die Möglichkeit nutzen, ein Logistikdrehkreuz für den Welthandel zu werden.“ Der geplante Hafen sei eine große Chance für die gesamte Region. „Uns ist jedoch auch bewusst, dass das Vorhaben ein großer Schritt ist, und darum müssen wir sorgfältig und verantwortungsvoll planen“, so Buhre. Daher habe man bereits 2008 die Gutachterfirma „PLANCO Consulting GmbH“ beauftragt, eine Potenzialanalyse zu erstellen. Aufgrund der zwischenzeitlichen Finanz- und Wirtschaftskrise wurde die Studie nun aktualisiert.

„Diese ist auch im Hinblick auf die bald anstehende Grundsatzentscheidung über das Projekt enorm wichtig“, erklärte der Bürgermeister. Die endgültige Entscheidung für oder gegen den RegioPort Weser könne jedoch erst getroffen werden, wenn es eine Förderzusage für das Projekt gäbe. Der Förderantrag für den ersten Teilbauabschnitt ist Ende September bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion West gestellt worden.

Die von der „PLANCO Consulting GmbH“ überarbeitete Potenzialanalyse zeigt im Ergebnis weiterhin verschiedene Wachstumsfelder für den Containerumschlag in Minden bis zum Jahr 2025 auf. Im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2008 wurden die erwarteten Umschlagszahlen für das Jahr 2025 leicht nach unten korrigiert. Die Gutachter gehen statt der rund 77.000 TEU nur noch von einem Umschlag von rund 64.000 TEU (bei Befahrbarkeit der Mittelweser mit Großmotorgüterschiffen) aus. Die Studie zeige jedoch auch, dass lediglich mit einer etwa dreijährigen Verzögerung des Wachstums zu rechnen ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der aktualisierten Studie ist die Erwägung, einen Seehafen-Hinterland-Hub an den neuen Hafen anzugliedern. Ein Hinterland-Hub ist ein zentraler Verteilpunkt im direkten oder indirekten Hafenumfeld, um Kapazitätsengpässe der Seehafeninfrastruktur aufzufangen und die Qualität des gesamten Transportprozesses zu optimieren. So werden sie gerne von Spediteuren genutzt, denn sie verkürzen die Wartezeiten für die Lastwagen und reduzieren die Lagerkosten.

Der Bau eines solchen Hinterland-Hubs sei in Minden möglich, betonte Henrik Armbrecht in seinem Vortrag. Langfristig seien in diesem Bereich – wie bereits vor der Krise – Engpässe zu erwarten. Beim Bau eines Hubs könne mit einem zusätzlichen Potenzial von 180.000 TEU pro Jahr ausgegangen werden, so der Gutachter.

Im Anschluss an den Vortrag von Henrik Armbrecht stellte Joachim Schmidt von der „RegioPort Minden GmbH“ die aktuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt vor. So habe sich durch die Konkretisierung von Betriebsabläufen sowie die veränderten Potenziale für den Planungshorizont bis zum Jahr 2025 ergeben, dass die Gesamtfläche, die für den Hafenbau benötigt wird, um circa sechs Hektar reduziert werden kann.

Die Gesamtkosten des Projekts bei einem Maximalausbau fallen laut der neuen Berechnung deutlich geringer aus: Sie belaufen sich nach derzeitigem Stand auf unter 100 Millionen Euro, ursprünglich wurden dafür 136,8 Millionen Euro einkalkuliert. Das Investitionsvolumen für den ersten Bauabschnitt, der die wasser- und bahnseitige Erschließung beinhaltet, liegt bei 65,2 Millionen Euro. Der Eigenanteil der „RegioPort Minden GmbH“ beträgt dabei lediglich noch 10,5 Millionen Euro: „Das bedeutet eine Reduktion des Eigenanteils um rund 1,5 Millionen Euro zum Stand von Mai letzten Jahres“, erklärt Joachim Schmidt. Eine Kostendeckung soll ab dem Jahr 2025 erreicht werden.