„1a-Lagen profitieren von einem Einkaufszentrum“

Die Bäckerstaße in Minden - Die 1A Lage in der Mindener Innenstadt

Minden(mr/sm). In Minden wird zurzeit der Bau eines großen Einkaufszentrums im Bereich des Wesertores diskutiert. Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG plant, dort ein Shopping-Center mit einer Verkaufsfläche von bis zu 23.000 Quadratmetern zu errichten. Im Haupt- und Finanzausschuss am 22. März wird das Unternehmen bekanntgeben, ob ihre derzeitigen Grundstücksverhandlungen erfolgreich gewesen sind.

Doch bereits im Vorfeld der endgültigen Entscheidung für oder gegen ein Einkaufszentrum beschäftigt sich die Stadt Minden insbesondere mit dem Thema „Auswirkungen auf die Innenstadt“. So haben Vertreter der Stadtverwaltung und der Politik die „Stadtgalerie“ – ebenfalls ein ECE-Center – in Hameln besichtigt und sich bei den dortigen Verantwortlichen informiert. Auch aktuelle Studien zu den innerstädtischen Einkaufszentren werden genau unter die Lupe genommen, um die Auswirkungen eines Centers auf die Innenstadt einschätzen zu können.

Ein häufiger Vorwurf an die Betreiber der Einkaufszentren: Die Mieten in der übrigen Innenstadt sinken, die Leerstände werden mehr, die Besucher bleiben im Center und kaufen nicht mehr in den anderen Geschäften ein. Diesen Vorurteilen begegnet nun eine neue Studie von Rainer Lademann, Honorarprofessor der Universität Göttingen. Bei der Betrachtung der Innenstadtentwicklung dürfe man nicht vernachlässigen, dass im Einzelhandel ohnehin ein ständiger Strukturwandel stattfände, so Lademann. Ein Beispiel dafür sei der wachsende Versandhandel über das Internet.

Lademann untersuchte die Einwohner-, Kaufkraft- und Mietdaten von 97 Städten, in denen in den vergangenen 20 Jahren Shoppingcenter neu eröffnet wurden. Diese Daten belegen, dass die Ansiedlung eines Centers in den 1a-Lagen der Innenstadt zu einem Anstieg der Mieten um durchschnittlich sieben Prozent führte. Als 1a-Lagen werden die Haupteinkaufstraßen einer Stadt bezeichnet, in Minden sind dies die Bäckerstraße und der Scharn. Aber auch in den 1b-Lagen der Innenstadt konnte der Trend sinkender Mieten gebremst werden.

Ein weiterer Vorteil der Einkaufszentren: Je größer die Einzelhandelskompetenz, desto größer sei auch die Chance, dass mehr Besucher als heute die Stadt besuchen. „Ein attraktiver Branchenmix ist daher ein wichtiger Faktor für die Planung eines Einkaufszentrums“, so Bürgermeister Michael Buhre. Auch Überschneidungen der Sortimente von Läden der Bäckerstraße und des Centers seien durchaus gewünscht. Denn die Studie von Rainer Lademann zeigt: Wettbewerb bringt mehr Umsatz. Habe ein Einkaufszentrum einen hohen Anteil von innenstadtrelevanten Sortimenten, seien besonders starke Umsatzerhöhungen in der gesamten Innenstadt zu beobachten. „So profitieren auch die 1a-Lagen von dem Einkaufszentrum“, erklärt Buhre.

Innerstädtische Einkaufszentren bieten den Städten zudem die Chance, verlorene Anteile der Handelszentralität zurückgewinnen und den Einzugsbereich der Kunden, die aus dem Umkreis zum Einkaufen kommen, zu vergrößern. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Zentralitätskennziffer einer Stadt. Sie ist ein Maß für die Attraktivität eines Standortes als Einkaufsort und gibt an, inwieweit der örtliche Einzelhandel in der Lage ist, überörtliche Kundschaft anzuziehen. Mindens Ziffer liegt derzeit bei 130 und gilt damit als ausbaufähig

Es gibt auch auch Kritik an der DIFU Studie. Ein Kritikpunkt an der DIFU-Studie betrifft die nicht repräsentative Auswahl der Shoppingcenter.
So würden auffällig viele Center in Ostdeutschland mit starken Transformationseinflüssen, wie Erfurt,  Schwerin und Schwedt, sowie Krisenregionen und Grenzgebiete z. B. Wetzlar und Wilhelmshaven und Scheedt heranzgezogen. Kritiker bemängeln, dass die Ergebnisse dieser Studie auf den ersten Blick vielleicht intuitiv plausibel klingen, sie beruhten aber nicht auf verallgemeinerbaren, nicht repräsentativen Datengrundlagen. Die Auswertung des Datenmaterials stehe zudem noch am Anfang. 
 
Die Erkenntnisse von Rainer Lademann von der Uni Göttingen stehen diametral zu den Erkenntnissen von Diplom Ökonomin Monika Walter von der Hafen City Universität Hamburg, die von 1996 – 2006 die „Auswirkungen von Innestadtcentern“ auf die traditionenellen Innenstadlagen in fünfzig Städten bis 500000 Einwohner untersucht hat und bis zu heutigen Tage die Ergebnisse der Studie verteidigt.
 
Hier die Ergebnisse Ihrer Studie im Mindener Rundschau Bericht:
 
 
Nach drei Jahren „Stadtgalerie“ Hameln gibt es dort auch die ersten Erfahrungen. Diese lesen Sie in unserem Bericht:
 

 

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One Reply to “„1a-Lagen profitieren von einem Einkaufszentrum“”

  1. Hans-Juergen Lamberty
    25. April
    Stadt-Leer-SPD mit Professor Lademann als verzweifelte Argumente-Retter für ein überdimensioniertes ECE-Center in Leer!
    von Hans-Juergen Lamberty, Sonntag, 4. September 2011 um 08:55 ·

    Wenn den ECE-Befürwortern in Leer die Argumente ausgehen, dann muß Honorar-Proffessor Lademann herhalten, der immer noch durch Leeraner SPD-Ratsmitglieder (z.B. Frau Stammwitz im April 2012) zitiert wird. Deshalb kann ein wenig Info über diesen „Fachmann“ ja nicht schaden.

    Immer wieder wird von einzelnen SPD-Ratsmitgliedern in Leer, aber auch in der Samstag-Ausgabe der OZ (Ostfriesen-Zeitung) vom 03. 09. 2011 in der Spalte „Bürger-Ideen zur Innenstadt“, auf der ganzen Wahlkampf-Werbeseite der SPD, dieser Professor bemüht, mit einem Hinweis auf die Süddeutsche Zeitung vom 24. August 2011, wo über Lademanns Arbeit berichtet wurde.

    Um ein „ECE-Klotz“ in Leer zu rechtfertigen, da es offensichtlich an anderen seriösen Fachleuten mangelt, beruft sich die SPD nun auf diesen Lademann.

    Damit sich der Bürger/Leser ein realistisches Bild machen kann, ein paar Informationen über Honorar-Professor Lademann:

    Auch Joschka Fischer, der frühere Grüne Außenminister ( mit Gymnasium ohne Abschluss und abgebrochener Lehre als Fotograf) war Gast-Honorar-„Professor“ für internationale Wirtschaftspolitik an der Woodrow Wilson School, ein Teil der Princeton University in New Jersey, USA. So eine Honorar-Professur hat doch mitunter einen sehr begrenzten wissenschaftlichen Stellenwert, wie man an diesem Beispiel sehen kann.

    Die absatzwirtschaftliche Wirkungsanalyse über innerstädtische Einkaufszentren von „Honorar“-Prof. Lademann kenne ich bereits ausführlich. Sie ist Anfang Juli 2011 bei GHS (Göttinger handelswissenschaftliche Schriften), ein Portal des Bundesland Niedersachsen für bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt und Selbsthilfe veröffentlicht worden. Nicht gerade eine erste Adresse zum publizieren einer Facharbeit. Wer sich auskennt weiß, dass noch lange nicht jede Publikation in den entsprechenden, seriösen, wichtigen Fachzeitschriften veröffentlicht wird (Standards müssen eingehalten werden), da ist es schon bedeutend einfacher beim landeseigenen Portal GHS unterzuschlüpfen. Andererseit allerdings ein Armutszeugnis, da die Qualität der Arbeit Lademanns offensichtlich nicht ausgereicht hat, in einer wichtigen seriösen, bedeutenden Fachzeitschrift publiziert zu werden.

    Unbedingt sollte man wissen, das Prof. Lademann, der lediglich eine Honorar-Professur über die Uni-Göttingen betreibt (er ist dort nicht angestellt), von dem Beratungsunternehmen Lademann & Partner aus Hamburg, ebenso wie CIMA und andere, enge Geschäftskontakte mit ECE pflegt. Für viele ECE-Planungen in Deutschland hat Lademann & Partner Auftragsarbeiten (Studien, Gutachten, Wikungsanalysen) für ECE erledigt. Soviel zur Neutralität von Prof. Lademann.

    Man kann davon ausgehen, dass die von Lademann veröffentlichte Wirkungsanalyse, eine im Sinne von ECE unterstützte Arbeit ist. Denn wenn man die Arbeit so liest, fällt dem Kundigen gleich auf, wie für ECE vieles passend klingt. Ich kenne so etwas sehr gut aus meiner langjährigen internationalen Vertriebs-und Marketing-Tätigkeit im Bereich der Herz-Chirurgie. Da sind mir diverse nationale und internationale „sogenannte Auftrags-Studien“ von Medizin-Professoren oder Privat-Dozenten aufgefallen oder zur Kenntnis gelangt, die Medizintechnik-Unternehmen nahestanden.

    Diese Analyse habe ich lange und ausgiebig mit Frau Walther („Center Fachfrau“), die gerade über diesen ganzen Themenkomplex ihre Doktor-Arbeit schreibt, von der Hamburger HafenCityUniversität diskutiert.

    Wenn man nun diese Lademann-Arbeit auf den wissenschaftlichen Prüfstand stellt, so wie die unabhängige Frau Walther von der HH-HCU es gemacht hat, kommt man zu diversen Ungereimtheiten, z. T. unsauberer Recherche, z.T. nicht wissenschaftlich saubere Vorgehensweise bei der Erhebung der Daten und daraus resultierender falscher Annahmen. So konnte Frau Walther viele Aussagen widerlegen. Z. B. der ganze Themenblock, sinkende oder steigende Mieten in Center-Städten, der so überhaupt nicht aufrecht erhalten werden kann.

    Die Einzelhandelszentralität konnte per Saldo (d.h. ohne EKZ) durch Centeransiedlung nicht gesteigert werden, wie Lademann behauptet, usw., usw..

    Wer Lademann zur Begründung des eigenen Unvermögens heranzieht, muss schon argumentativ sehr in Not sein.

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