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„Entartete Musik“ im NS-Staat

Minden(mr/sm). In Kooperation mit dem Jazz Club Minden e.V., der Musikschule Minden gGmbH und Minden – Für Demokratie und Vielfalt e. V. präsentiert das Mindener Museum vom 6. April bis 26. Mai 2013 die Wanderausstellung » Das verdächtige Saxophon – “Entartete Musik” im NS-Staat«. 80 Jahre nach der Machtübertragung auf Hitler und die Bücherverbrennungen 1933 sowie 75 Jahre nach der Ausstellung „Entartete Musik“ bei den „Reichsmusiktagen“ in Düsseldorf im Mai 1938 erinnert die Ausstellung in einer kommentierten Rekonstruktion der ursprünglichen Schau an die fatale Reglementierung des Musiklebens sowie die Schicksale kritischer Musikschaffender durch die Nationalsozialisten.

Die kommentierte Neufassung entstand 2007 als Wanderausstellung im Auftrag der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Tonhalle Düsseldorf mit Förderung durch die Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmonie e.V. und des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Kuratoren sind Peter Girth (Düsseldorfer Symphoniker) und Albrecht Dümling (Berlin), die bereits anlässlich des fünfzigsten Jubiläums 1987 eine kommentierte Rekonstruktion in Buchform vorgelegt haben. Die Präsentation in Minden wird im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ über den lokalen Aktionsplan Minden durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Wie die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 stellte die Düsseldorfer Schau vom 24. Mai bis 14. Juni „undeutsche“ Musik an den Pranger, die nicht der Weltanschauung der Nationalsozialisten entsprach. Öffentlich vorgeführt wurden neben Musikern auch Musikwissenschaftler, Musikdirektoren, Musikkritiker, Musikpädagogen sowie Dirigenten, vor allem jüdischer Herkunft. Ihre Werke und Schriften wurden als „entartet“ diffamiert. Jüdische Operetten und Schlager, atonale Werke und der Jazz stufte man als „art fremd“ ein.

Zur Ausstellung erschien kein begleitender Katalog. Stattdessen druckte man die Eröffnungsrede des Kurators Hans Severus Ziegler, einem frühen Anhänger Hitlers und seit 1935 Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters. Die Titelseite dieser Broschüre karikierte einen schwarzen Jazz-Saxophonisten mit einem im Kontrast zur Kleidung, Frack und Zylinder bewusst überzeichneten Gesicht. Anstelle einer Nelke im Knopfloch verhöhnte man den Musiker durch einen großen Davidstern. Diese fiktive Figur stellte als Inbegriff der Entartung das Symbol der Ausstellung und der gesamten Reichsmusiktage 1938 dar. Die Karikatur erinnert an den schwarzen Musiker Jonny, die Titelfigur aus Ernst Kreneks  Erfolgsoper „Jonny spielt auf“, gegen die die Nationalsozialisten bereits vor der Machtübertragung heftig protestiert hatten.

Der Katalog zur Ausstellung ist leider vergriffen. Audio Guides mit einer Führung können kostenlos gegen Pfand an der Museumsinformation ausgeliehen werden. Die Tondokumentation zur Ausstellung (4 CDs mit ausführlicher Erläuterung auf 2 Booklets) ist zum Preis von 35 Euro erhältlich. Außerdem gibt es eine Ausgabe in englischer Sprache.

Mindener Museum, Di.-So. 12-18 Uhr; Sonderöffnungszeiten für Gruppen auf Anfrage. Weitere Infos unter www.mindenermuseum.de oder 0571 / 9724020 oder museum@minden.de. Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.das-verdaechtige-saxophon.de.

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