Hüllhorst: Verkaufsautomatenhersteller Deutsche Wurlitzer stellt Insolvenzantrag

Hüllhorst(mr). Die Deutsche Wurlitzer GmbH will sich über ein Insolvenzverfahren sanieren. Die Geschäftsführung der deutschen Niederlassung des international bekannten Automatenunternehmens hat gestern beim zuständigen Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter.

Die Deutsche Wurlitzer GmbH hatte bei einem Umsatz in Höhe von rund 10 Millionen Euro (2012) in den vorausgegangenen Jahren jeweils hohe Verluste erwirtschaftet. Ende Januar erfolgte der Verkauf des Unternehmens durch den US-amerikanischen Eigentümer, der Gibson Guitar Corporation, Nashville/Tennessee, an ein Team von deutschen Sanierungsexperten. Damit konnte die drohende Schließung des Unternehmens in letzter Minute abgewendet werden.

Neuer Geschäftsführer der Deutschen Wurlitzer GmbH ist seit 7. Februar 2013 Thorsten Stoermer, der anlässlich des Insolvenzantrags sagte: „Wir haben das klare Ziel, das Unternehmen zu sanieren. Das Insolvenzverfahren ist dazu der einzig geeignete Weg, um die notwendigen Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Insbesondere das Know-how im Bereich Verkaufsautomaten halten wir für wettbewerbsfähig und sehen hier klare Chancen in den europäischen Absatzmärkten.“ Der neue Eigentümer verfügt über umfassende Erfahrungen im Bereich Sanierung von Unternehmen sowie über umfangreiche Marktkenntnisse im Bereich Maschinenbau.

Die Analyse der unternehmerischen Entwicklungen der vergangenen Jahre hat ergeben, dass für die Sparte Musikautomaten keine Zukunfts-Chancen bestehen. Stoermer sagte dazu: „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass in Zeiten von iPod und mp3 der Markt für Musikautomaten ein Liebhabermarkt geworden ist. Zudem war die Schließung des Bereichs Musikautomaten auch eine verbindliche Auflage des Verkäufers, die wir erfüllen müssen.“

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 136 Mitarbeiter. Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung zu dem Thema, wie viele der Arbeitsplätze erhalten werden können, werden bereits geführt. Personalanpassungen werden unvermeidbar sein.

Das Insolvenzverfahren wird in Eigenverwaltung durchgeführt. Das reformierte deutsche Insolvenzrecht (ESUG) bietet diese Möglichkeit seit März 2012 auch schon für das vorläufige Insolvenzverfahren. Von dieser Option wird im Falle der Deutschen Wurlitzer GmbH Gebrauch gemacht. Als Sachwalter wurde Rechtsanwalt Hans-Peter Burghardt von der Kanzlei LTS in Herford gerichtlich bestellt. Der Sachwalter hat die Aufgabe, die Interessen aller Gläubiger innerhalb des Insolvenzverfahrens zu wahren. Mit der Durchführung des Verfahrens in Eigenverwaltung besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit der Geschäftsführung das Know-how im Unternehmen zu behalten und zumindest einen Kernbereich weiterzuführen.