Minden-Lübbecke: Verlorengegangene Notrufe bei der Kreispolizeibehörde

Kreis-Minden-Lübbecke(mr/y) Die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke hat offensichtlich ein Problem mit verlorengegangenen Notrufen. Dieses geht aus einer offiziellen Mitteilung der nordrhein-westfälischen Landesregierung hervor. Der für die Polizei zuständige Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat jetzt dem heimischen FDP-Landtagsabgeordneten Kai Abruszat auf dessen Anfrage hin offiziell mitgeteilt, dass allein im Kalenderjahr 2012 385 Notrufe durch die entsprechende Leitstelle nicht angenommen wurden und als „verlorengegangen“ gelten.

Ein Notruf gelte eigentlich dann als „verloren“ und werde als solcher registriert, wenn er nach mehr als fünf Sekunden Wartezeit vom Anrufer beendet wird, ohne dass der Anruf durch die Leitstelle angenommen worden ist. Diesen Standard erreicht die Polizei im Mühlenkreis derzeit nicht. Bedingt durch eine veraltete Leitstellentechnik in der Kreispolizeibehörde Minden können verlorene Notrufe erst nach einem Ablauf von zehn Sekunden erfasst werden.

„Wenn 385 Notrufe innerhalb von zehn Sekunden nicht die Polizei erreichen können und sogar 198 Notrufe selbst nicht innerhalb von 20 Sekunden angenommen werden, zeigt dieses auf, dass es einen offensichtlichen Handlungsbedarf gibt“, wertet Abruszat die offiziellen Zahlen der Landesregierung für den Mühlenkreis. „Im Ernstfall geht es in Notfällen um Sekunden. Ein gänzlich verloren gegangener Notruf kann darüber entscheiden, dass eine bevorstehende Tat nicht mehr verhindert, eine stattfindende Tat nicht unterbrochen, ein Täter nicht mehr erwischt oder einem Opfer nicht mehr geholfen werden kann“, betont Abruszat. Deswegen sei es dringend geboten, die sogenannten Funktionsbesetzungspläne und damit die Personalstärke vor Ort ständig zu überprüfen und die Leitstellentechnik umgehend zu modernisieren. Die Landesregierung sollte daher Anstrengungen unternehmen, schneller als bislang geplant die Technik umzustellen. Innenminister Ralf Jäger kündigte an, dass erst bis zum Dezember 2015 die entsprechende Modernisierungsmaßnahme zum Abschluss gebracht werden könne.