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Auswirkungen des Drogenkonsums untersucht

Lübbecke/Hannover(mr/jw). In der Heimat von Dr. Hussein Al-Warith, Arzt vom Medizinischen Zentrum für Seelische Gesundheit, gehört das Kauen von kleinen Blättern zum Alltag vieler Menschen. Es sind Blätter des Kath-Strauches, eines Gewächses, das in Ostafrika und der arabischen Halbinsel angebaut wird. Ein Blatt nach dem anderen wird in Gesellschaft in den Mund genommen, so lange bis ein kleiner Ball entsteht. Die Wirkung, die sich im Lauf der Zeit entwickelt, ist vergleichbar mit der von Amphetaminen. Der Psychiater Al-Warith hat die Wirkweise der Droge und die Langzeitfolgen erforscht. Jetzt erhielt er für seine Arbeit den Forschungspreis des Norddeutschen Suchtforschungsverbundes.

Jedes Jahr vergibt der Norddeutsche Suchtforschungsverbund einen Forschungspreis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der suchtmedizinischen und/oder suchtversorgungsrelevanten Forschung. „Wir gratulieren Dr. Al-Warith ganz herzlich zu dem Forschungspreis“, erklärt Prof. Dr. Udo Schneider, Ärztlicher Leiter des Medizinischen Zentrums für Seelische Gesundheit. „Und ein bisschen beziehen wir ihn auch auf das ganze Team. Denn solche Forschungsarbeit ist nur in einem hoch qualifizierten Umfeld möglich.“

Kath ist Volksdroge Nummer 1 im Jemen

Dr. Hussein Al-Warith stammt aus dem Jemen. Schon als junger Mann war er mit den biologischen, psychischen und sozialen Folgen des Khat-Konsums konfrontiert und erlebte aus nächster Nähe einen durch diese Droge entstehenden Teufelskreis. Er besteht aus gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen, die sich gegenseitig verstärken und allmählich die gesamte Gesellschaft mit einbezieht. „Männer wie Frauen kauen täglich durchschnittlich drei bis vier Stunden lang bis zu ca. 200 g frische Blätter Khat“, berichtet Dr. Al-Warith. Dabei wirken vor allem die Inhaltstoffe Cathinon, Norephedrin und Norpseudoephedrin. Im Wesentlichen besteht daher eine Wirkung ähnlich wie beim Amphetamin.

Je nach Dosis hat Khat eine stimulierende Wirkung, auch Herzfrequenz und Blutdruck steigen an. Die problematischen Wirkungen der Droge beschreibt der Arzt so: „Psychisch kommt es zur Euphorie, die Aufmerksamkeit verbessert sich, der Rededrang wird erhöht, der Appetit gehemmt. Zustände innerer Unruhe, Nervosität, Herzrasen, Hyperaktivität und Schlafstörungen sind weitere Folgen. Wie bei anderen Stimulanzien kommt es beim Missbrauch von Khat oft nachfolgend zu einer Passivität bis hin zur Verstimmung und Verhaltensstörung.“

In seiner Forschungsarbeit untersuchte Dr. Hussein Al-Warith auch die geschlechtsspezifischen Gründe zum Konsum von Khat und ermittelte aus umfangreichen Befragungen von Konsumenten und Nicht-Konsumenten beiderlei Geschlechts Ansatzpunkte für die Prävention.

„Aufklärung ist sinnvoll und notwendig, auch wenn die Widerstände groß sein dürften“, schlussfolgert der Arzt. „Es ist wichtig, dass die Menschen bereit sind, sich mit dem Khat- Konsum und dessen Auswirkungsproblematik zu beschäftigen, weil die Gesundheit von Generationen davon ebenso betroffen ist wie die Wirtschaft und die Umwelt.“

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